Ein Medium verändert unsere Welt…oder die der Werbetreibenden?

Vor einiger Zeit bemängelte mein technikverrückter Herr des Hauses unseren Fernseher. Und er quengelte so lange herum, bis der „alte“ Fernseher tatsächlich seinen Geist aufgab und ich meinen Widerstand zu Gunsten eines neuen TV begrub. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, ob mein männliches Pendant über Fähigkeiten der Telepathie verfügt oder ob er „händisch“ dem Abgang des alten Gerätes nachgeholfen hat 🙂 Was die Anschaffung neuer technischer Geräte in unserem Haushalt betrifft, bin ich ein absoluter Banause. Nach dem Motto: Was noch läuft, darf bleiben. Zum Beispiel mein Küchenmixer. Mein allererster,  so 35 Jahre alt? Das cremefarbene Ding funktioniert noch tadellos! Komischerweise tangiert dieses Objekt den Mann des Hauses gar nicht…

Der Einzug der neuen Medienspielwiese in das traute Heim!

Mit Anschaffung des neuen Medienteils betrat der Herr des Hauses begeistert seine neue Spielwiese. Er ist der technikaffine Part von uns und kann sich stundenlang – nein, was sage ich da – tagelang um Updates, Upgrades oder Downloads kümmern. Er kennt die geheimen Steckverbindungen, er weiß um die Machenschaften diffuser Netzteile, oder wie sich die schwarzen Kästchen mit blinkenden Lichtern nun auch immer schimpfen. Kabel, Satellit oder dbtv ist out. Unser Sehvergnügen speist sich von nun an aus dem World Wide Web. Mit Hilfe eines Anbieters mit dem pinkfarbenen Logo gehören wir nun auch zu den digital natives, die über eine ausreichende Flatrate für Telefonie, Internet und TV verfügen.

Wir haben jetzt zuhause ein Kino. Und ich muss sagen: Der Mann des Hauses hatte ja Recht. Es ist doch ein Aha-Erlebnis, mit 3-D-Brille den Avataren durch phantasievolle Landschaften zu folgen. Das Gefühl zu verspüren, mitten im Geschehen zu stecken. Zusammen zu zucken, wenn der Protagonist im Film mich aus dem Bildschirm heraus packen und mitreißen könnte. Was soll ich sagen? Mittlerweile haben wir uns durch unsere gesamte DVD-Sammlung gewühlt und alle 3-D-fähigen Filme erneut konsumiert.

Irgendwann rang mir mein Herr des Hauses dann auch ein Lächeln und ein Lob ab – mit abschließendem Kommentar: Siehst Du? Was hab ich Dir gesagt?

Seh-Vergnügen à la carte? Kein Problem!

Aber kommen wir zum normalen Fernsehprogramm, das die Fernsehnation allabendlich mit allerlei Grauen und Wahnsinn versorgt. Und mit prall gefüllten Werbeblöcken. Jedenfalls auf den privaten Kanälen, denn bei ARD und ZDF ist ab 20:00 h Schluss. Was habe ich das gehasst. Ein Film mit über drei Stunden Laufzeit inclusive gefühlten zwei Stunden Werbung. Damit ist nun endgültig Schluss. Das Mediencenter des Anbieters mit dem pinken Logo bietet uns so allerhand zur Auswahl an und die ersten Abende zappten wir uns durch alle Streaming-Angebote und On-Demand-Plattformen. Bis zum Ende nutzten wir ohne Gewissensbisse die mannigfaltigen kostenlosen Schnupper-Abos der Anbieter.

Ich möchte nicht behaupten, dass uns die ergänzenden Angebote qualitativ und quantitativ immer vom Hocker hauen. Dennoch hat sich unser Seh-Verhalten komplett verändert. Wir entwickeln uns zu Serien-Junkies. Für unser erstes Serien-Highlight „House of Cards“ haben wir Nächte geopfert. Komplette Staffeln in direkter Abfolge und das auch noch ohne nervtötende Werbeblöcke. Wir hängen ja nicht ständig Wäsche auf oder schauen ins Bad…Und wir beide lieben nordische Krimis. Das Angebot ist riesig…

Wie die Nettoreichweite der Fernsehspots in unserem Haushalt auf tiefstes Niveau sinkt!

Wir sind wählerisch geworden. Bis auf die Nachrichten, die wir aufgrund weltlicher Verwerfungen stets aktuell im Auge haben, legen wir nun selber fest, wann und was wir sehen. Mich zwingt nie wieder ein fester Programmplan vor die Glotze. Wir gestalten das Programm selber. Das Programm nimmt Rücksicht auf unsere Vorlieben und steht uns zeitlich nicht mehr im Wege. Und die wenigen interessanten Dokumentationen auf ARTE, PHOENIX, 3SAT etc., nehmen wir sowieso auf. Denn ausgerechnet diese Nichtverdummungsprogramme werden in der Regel zur nachtschlafenden Zeit ausgestrahlt. Von nun an zahlen wir gerne ein paar Euros für ein Abo, denn wir bleiben von langatmigen 10-Minuten-Werbezwangspausen verschont. Ist das ein Luxus? Vorbei mit weinenden Kinderaugen, die nach Babybrei schreien oder glücklich glucksend in dicken Pamperhosen vor sich hin gähnen, vorbei mit asiatischer Tiefkühlkost, die wie durch Zauberhand in Sekunden die weltlichen Räumlichkeiten wechselt, vorbei mit gähnend langweiligen Spots einzelner Telekommunikationsanbieter, vorbei mit…ja was? Ich kann mich nicht weiter erinnern…bis auf ein paar einzelne, richtig gute Spots! Hm, das wäre ein neues Thema? Gute Fernsehspots?

 

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2 Gedanken zu “Ein Medium verändert unsere Welt…oder die der Werbetreibenden?

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