Wer hat es noch drauf? Erfahrung, Wissen, Weisheit und Kreativität?

Wer hat es noch drauf? Erfahrung, Kreativität, Wissen und Weisheit?

Haben Ü50 nur noch Chancen auf das Abstellgleis für ausrangierte Züge? Oder hat der Jugendwahn ausgereizt und der Arbeitsmarkt erinnert sich wieder an diejenigen, die mit ihrem Einsatz auch bis zur Verrentung die Rentenkassen füllen könnten? 

Ich sitze hier und schreibe alle Namen auf, die mir grad so einfallen. Menschen mit öffentlichem Ansehen und Bekanntheitsgrad. Ü50. Und ich bin fündig geworden: Folgende Personen entsprechen nach meinem Dafürhalten den oben genannten Attributen. Vielleicht treffen nicht alle Skills in der Gesamtheit auf den ein oder anderen zu oder meine Leser bevorzugen eine anderweitige Einschätzung…sollte dies der Fall sein, bitte ich um Nachsicht….! Übrigens verzichte ich heute der Einfachheit halber auf Gender…

  • Angela Merkel – Bundeskanzlerin 61 Jahre
  • Wolfgang Schäuble – geb. 1942 Bundesminister der Finanzen
  • Sigmar Gabriel – geb. 1959, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sowie Vizekanzler
  • Ronald Pofalla – 54 Jahre, nach der Politik nun Lobbyist der Deutschen Bahn
  • Rüdiger Grube – geb. 1951, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn
  • Olaf Henkel – 75 Jahre, bis 2013 u. a. Aufsichtsrat Bayer Leverkusen und andere börsennotierte Unternehmen
  • Heinrich Hiesinger – Deutscher Industriemanager Thyssen Krupp 55 Jahre
  • Marie-Elisabeth Schaeffler – Unternehmerin, 74 Jahre, Schaeffler AG
  • Igor Landau – Aufsichtsratsvorsitzender Adidas AG, 71 Jahre
  • Manfred Knof – 50 Jahre, Allianz AG, Vorstandsmitglied
  • Jean-Remy von Matt – Vertretungsberechtigter Vorstand „Jung von Matt“, geb. 1952
  • Harald Zulauf – geb. 1960, Managing Director
  • Gerd Krick, geb. 1938, Fresenius, erst Vorstandsvorsitzender, jetzt Aufsichtsratsvorsitzender
  • Josef Ackermann – geb. 1948, Schweizer Bankmanager, aus PR/ÖA bekannt
  • Madonna – geb. 1958, Songschreiberin, Sängerin, Schauspielerin, Regisseurin, Designerin usw.
  • Udo Lindenberg – geb. 1946, Rockmusiker, Schriftsteller und Maler
  • Nena – geb. 1960, Popmusikerin
  • Mick Jagger – geb. 1943, Rockmusiker, Sänger und Songwriter

Diese Liste von „arbeitenden und produktiven“ Menschen könnte ich noch endlos weiterführen. Jeder kennt sie. Sie stehen im Rampenlicht der Öffentlichkeit, sind auf der Politbühne oder Kunstbühne zu finden. Es sind weltbekannte Künstler, gewählte Politiker oder Unternehmer und lenken erfolgreich weltumfassende Konzerne.

Sie haben eins gemeinsam – sie sind Ü50! Sie zählen zur Generation BEST AGER oder MATURES siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Y Und mir scheint, dass sie sich in der besten und kreativsten Schaffensphase ihres Berufslebens befinden. Oder sie haben ihre enorme Schaffenskraft nie verloren! Ein Riesenplus für diese Generation. Sie wird ernst genommen, sie kann sich entfalten, schalten und walten und die vorgenannten Namen gehören zur Entscheider-Riege. Aber gilt dieser Umstand auch richtungsweisend für den Rest der über 50jährigen in dieser Republik?

Die Realität des Arbeitsmarktes für Arbeitsuchende 50plus?

In meinem Berufsleben als Koordinatorin ÖA/PR für das Arbeitsmarktprojekt BEST AGER konnte ich in den letzten Jahren auch die andere Seite der Medaille sehen. Eine Medaille, die bei einer eintretenden Arbeitslosigkeit bei 50plus nicht gülden und glänzend scheint, sondern eine andere, dunklere Seite präsentiert. Sie zeigt, dass BEST AGER auf dem Arbeitsmarkt oft das Nachsehen haben. Ich kann diesen grässlichen Umstand jeden Tag beobachten, ob in meinen beruflichen oder privaten Netzwerken. Gestandene, qualifizierte Menschen mit besten Referenzen und nachweislichen Erfolgen erfahren auf einmal eine große Stille.

Wer mit Ende 40, Anfang 50 arbeitslos wird, hat es schwer, wieder den Weg in das Arbeitsleben zu finden. Seit das AGG(Anti-Diskriminierungsgesetz) in allumfassender Härte um sich greift, sehen wir in den Stellenanzeigen keine Aussagen mehr „Sie passen zu uns, wenn Sie nicht älter als….sind“. Wer aus beruflicher Intention oder auch als Arbeitsuchender Stellenanzeigen recherchiert, lernt schnell, dass die Stellenformulierungen der Unternehmen positivere Ausdrucksformen nutzen „Unser junges Team freut sich, wenn….“! Oder Personaler wähnen sich in besonders hippen Unternehmen und duzen in Anzeigen potentielle Bewerber.

Auf eine solche „Du“-Anzeige gestaltete ich eine Bewerbung per Email testweise im selben Stil. Was soll ich sagen? Das Feedback enthielt die Sie-Form. Ohne Worte! So „jung und frei“ schien die beschriebene Firmenphilosophie dann doch nicht zu sein. Übrigens: Die Absage kam „Post“-wendend! 

Anfang dieser Woche starteten Christine Schrecker und Sabine Hildebrandt-Wöckel auf xing und facebook eine Umfrage. Die beiden Frauen sind Initiatoren der Plattform Job40plus und organisieren Events und Messen für Arbeitgeber sowie Fach- und Führungskräfte jenseits der 40. In dieser Umfrage sammeln sie  „Bewerbungsgeschichten“ von „älteren“ Arbeitsuchenden. Einige Beispiele lassen jetzt schon erahnen, wie die Realität für die Betroffenen gestrickt ist. Übrigens, die beiden halten den viel beschworenen Fachkräftemangel als ein hausgemachtes Problem….

Generation 50plus und die Werbetreibenden…

Für die Werbetreibenden ist die Generation 50plus mittlerweile eine heiß „umkämpfte“ Zielgruppe. (Auch wenn mich persönlich viele Spots nicht besonders ansprechen!) Dafür sind meines Erachtens zwei Gründe ausschlaggebend. Diese Gruppe ist aufgrund des demografischen Wandels riesig und wird immer größer. Und sie zählt zu einer der kaufkräftigsten Zielgruppen. Die Kinder haben in der Regel das Nest verlassen, das Haus ist abbezahlt und es ist Geld für die zur Verfügung stehende Freizeit da. Diese Consumer recherchieren auf Reise-Onlineplattformen den nächsten Wochenendtrip, googlen Infos über Produkte oder bestellen ihre Bücher online bei einem amerikanischen Big Player. Und das waren nur einige Beispiele, die das veränderte Verbraucherverhalten aufzeigen.

Yeah, BEST AGER lebt und agiert digital und bewegt sich ohne Komplikationen in der virtuellen Welt!

Nun erkenne ich ein Paradox. 50plus erfährt in der medialen Ansprache, dass sie attraktiv, gesund und kaufkräftig sind. Aber würde der Personalchef eines Unternehmens auch vorurteilsfrei BEST AGER neu einstellen? Und dafür Sorge tragen, dass die Kaufkraft dieser Zielgruppe nicht nachlässt? Würde eine Werbeagentur die Kampagne für eine „reife Creme“ auch von der anpeilten Zielgruppe konzipieren und umsetzen lassen? Was meinen Sie? Genügen wir den stylischen Anforderungen? Oder verlässt diese Werbeagentur sich lieber auf die an die „jungen“ Mitarbeiter geforderte Empathie für 50plus? Würde eine im Automotive Bereich ausgeschriebene Stelle als Key Account Manager in einem großen Konzern eher mit einem smarten Ende Zwanzigjährigem besetzt werden? Oder entscheidet sich der HR für den erfahrenen Business-Player, der vielleicht nicht mehr ganz so faltenfrei daher kommt?

 

 

Ich nehme gerne adäquate Stellenangebote von Unternehmen, Headhuntern und weiteren Personalverantwortlichen, die auf Mitarbeiter 50plus setzen, entgegen!

 

 

 

 

 

 

 

Share Button

3 Gedanken zu “Wer hat es noch drauf? Erfahrung, Wissen, Weisheit und Kreativität?

Schreibe einen Kommentar