Unsere Flüchtlingspolitik – oder „Die Geister, die ich rief?“

Wir wetten auf einen Sack Reis, wir verwandeln Lebensmittel in Biosprit und verwüsten dafür ganze Landschaften und Agrarkulturen, wir füttern Terroristen (Al Quaida, IS und andere).

Wir stürzen und unterwandern Regierungen, um dort „demokratische“ Verhältnisse einzuführen. Oder demokratische Strukturen, wie sie wir verstehen und interpretieren…

Leider versteht die Politik unter Demokratie auch „Durchsetzung von eigenen wirtschaftlichen Interessen“ (Joam Chomsksy: War over people, Profit over people)? Dass durch jahrzehntelange Unruhen und Bürgerkriege, durch Terroristen wie IS oder Boko Haram, durch Hungersnöte und Dürreperioden nun die Menschen aus dem Orient, aus Asien und Afrika nach Europa flüchten, ist die logische Folgerung. Dass wir unseren Reis billiger einkaufen können, verdanken wir den Spekulanten und dass in der dritten Welt für uns gehungert wird. Dass wir billige Klamotten tragen dürfen, haben wir den super Löhnen zu verdanken, die in Asien und sonst wo den fleißigen Tagelöhnern bezahlt werden. Wir, der „Goldene Westen“ erleben jetzt eine Völkerwanderung, die wir zu verantworten haben und die meines Erachtens schon vor langer Zeit zu erwarten war…

Und ich schäme mich

Ich schäme mich für eine EU, die anscheinend keine gemeinschaftlichen Werte pflegt, aber bei Geldzuflüssen HIER schreit. Ich schäme mich für eine EU, die in humanitären Aufgaben anscheinend total versagt und sich nicht zusammenraufen kann? Die Politik hat mit sehr viel Aufwand eine EU-Grenzschutzagentur Frontex http://bit.ly/1NLfL7v aufgebaut. Also anstelle eines Flüchtlingsrettungsprogrammes wird sehr viel Geld in ein Flüchtlingsabwehrprogramm gesteckt.

Seit Jahren kämpft Italien gefühlt, seit Monaten nun Griechenland gefühlt mit einem Heer von Flüchtlingen und wurden bis jetzt alleine gelassen. Mit Sicherheit gibt es das Phänomen schon länger, war aber wohl nicht medienwirksam genug? Wer sind die Flüchtlinge? Das sind Familien mit Kindern, das sind überlebende Großeltern mit ihren Enkeln, das sind zurückgebliebene Frauen mit Kindern, das sind junge Männer, die nicht als Schlachtvieh in einen Kampf ziehen wollen, der ihnen aufgezwungen wurde und viele andere Schicksale. Sie kommen in Booten und setzen ihr Leben aufs Spiel. Und werden auf eine Art und Weise empfangen, für die wir uns alle schämen müssen. Schande über uns.

Wo bleibt die schnelle Hilfe? Schleuserbanden erzielen Riesenprofite. Neben der Beschlagnahmung leerstehender Häuser für die hiesige Notsituation sollten die Unternehmen ausrangierte Züge, die noch fahrtüchtig sind oder Busse in die Krisengebiete fahren und dort die Flüchtlinge von den Gleisen holen. Das würde den Nährboden für Schlepperbanden und deren Machenschaften zerstören. Ihnen geht es nicht um die Hilfe, sondern allein um den Profit. Auf Kosten von Menschenleben. Wir sollten die Flüchtlinge, die derzeit die Balkanroute als Fluchtweg nutzen, mit Ess- und Trinkbaren sowie psychologischer Betreuung versorgen. Das selbe gilt für Griechenland und andere Mittelmeer-Anrainer-Staaten. Die Hilfsorganisationen wissen schon nicht mehr, wo sie anfangen sollen. Wir versagen! Und die täglichen Schreckensnachrichten demonstrieren mir, dass die Politik versagt – auf ganzer Linie! Sie sorgt sich eher darum,  dass diese Länder die Flüchtlinge weiter durchwinken. Ja klar. Sie werden nicht mehr fertig damit, weil andere Länder der Gemeinschaft sich bisher ganz hübsch drücken. Da werden Millionen Euro dazu verwandt, Flüchtlingsblockaden (Sicherung Calais) zu errichten.

Fremdenhass in Deutschland? 

Und Deutschland? Jetzt passiert anscheinend das, wovor sich Politik so fürchtet. Der rechte Druck wird immer lauter und bietet fruchtbaren Boden für die Sozialneider, Frustrierten und Vergessenen. Ja, was denn? 140 Euro Taschengeld. Na und? Was ist denn ein Menschenleben wert? Wenn ich als Steuerzahler solidarisch mit Langzeitarbeitslosen bin, dann bin ich selbstverständlich auch solidarisch mit Flüchtlingen und gebe gerne meine Steuern dafür her. Ich rette Menschen damit. Keine Konzerne! Und liebe Politiker, lasst Eure populistischen Aussagen wie „Kein Taschengeld für Flüchtlinge!“ Das nährt…

Was sind das für starke Kerle und tolle Frauen, die kriegsgeplagte, verfolgte und traumatisierte Menschen so behandeln und empfangen? Wir sollten diese Schreihälse und missgünstigen Menschen und Besserwisser in den Okzident oder nach Afrika schicken. In die Krisengebiete. Nicht zum Schauen und Staunen, sondern zur Sozialarbeit und zum Wiederaufbau!

Buzzfeed veröffentlichte 15 Antworten, mit denen die typischen Vorurteile entkräftet werden. Aber mal ehrlich. Warum muss ich das tun? Mich rechtfertigen für eine Hilfe, die Nächstenliebe heißt?

Die Bloggerszene hilft – schnell und vor allem unbürokratisch!!!

Die deutsche Blogospähre bewegt sich. Sie bewegt sich sehr schnell. Auf Facebook und weiteren sozialen Netzwerken haben sich mittlerweile über 750 Blogger organisiert. Sie wollen mit Beiträgen den Fokus auf die Hilfe für Flüchtlinge legen, sie wollen ein Statement gegen Fremdenhass abgeben und erweitern durch die Vernetzung die Reichweite der Beiträge. Sie sammeln über einen neu eingerichteten Blog „Blogger für Flüchtlinge“ Spenden, sie organisieren sich für lokale Aktionen und Willkommensfeste. Toll, dass es diese Netzgemeinschaft gibt. In der letzten Zeit verkam social online mehr und mehr zur Selbstdarstellung Einzelner und diente fast ausschließlich als Messeplatz und Sammelplatz für Unternehmen und ihre Produkte. Die Bloggerszene, ob nun populärere oder weniger populärer Blogger, sie rührt sich, sie rauft sich zusammen. Und ich wünsche mir, dass dieser Effekt sich auch auf weiteren Ebenen wiederfinden wird.

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2 Gedanken zu “Unsere Flüchtlingspolitik – oder „Die Geister, die ich rief?“

    1. Ich verlinke Dich gerne bzw. lass Deinen „Ping“ zu. Eine kleine Anmerkung von mir noch zu Deinem blogpost: Mir will sich auch nicht erschließen, warum Menschlichkeit, soziale Wärme bzw. Flüchtlingshilfe als „Links“ eingestuft wird? Und ja. Es gibt einige Blogger, die sich ungern öffentlich zu dem Thema mit einem Beitrag äußern. Das hängt mit der Impressumspflicht und den Drohungen, die in der Vergangenheit freie Journalisten und andere Mitbürger erleben mussten, zusammen. Nicht jeder möchte sich mit seiner Privatadresse outen. Und ja: Jeder hilft auf seine Weise, wie er kann!

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