Pokémons neue Kleider – oder ein digitales Monster geht augment reality!

Wer hätte das gedacht? In den 90er Jahren überfielen anime alias Pókemons über Nacht die Kinderzimmer. Nintendo brachte für mein Dafürhalten damals das trashigste Videospiel überhaupt auf den Markt. Häh? Video? Krass…vielleicht fragen nun die ganz Jungen unter Euch, what the hell ist ein Video? Fragt Eure „peinlichen“ Eltern, die wissen es noch.

In diesen Tagen erleben wir keine Überfälle bunter anime auf Kinderzimmer. Es ist besser. Denn in diesen Tagen überschwemmt ein Tsunami sämtliche Lebensumgebungen und lässt keine Altersstufen aus. Na ja, vielleicht werden die ganz Alten verschont. Doch können wir beobachten, dass der Homo Sapiens derzeit seine Freizeitaktivitäten fast ausschließlich auf das von gamifications-Machern bereit gestellte simple Spiel „Fangen Spielen“ von bunten Ungeheuern fokussiert. Wir laufen, wir suchen, wir brüten, wir fangen….Vorbei das Mammut und die Nuss. Damals Video, heute Smartphone. Die Pokémons gehen augment reality.

Lt. einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands bitcom hat mittlerweile schon jeder fünfte Deutsche das Smartphone Pokemon Go gespielt. Acht von zehn Deutschen haben von dem Spiel zumindest schon gehört. Hm, von fast 82 Mio. Menschen in Deutschland ist jetzt schon jeder fünfte beseelt und kann nicht mehr aus ohne seine Fangarme aus dem Haus gehen?

Ist die Schokolade am Ende?

Ich kann mich ganz schwach an eine Studie erinnern, die aussagte, dass gerade in schlechten Zeiten die Menschen auf alles verzichten würden, aber nicht auf Schokolade. Das ist viele Jahre her, leider kann ich die Studie nicht googlen. Ich glaube, das ist wirklich lange her.

Werden anime und andere Kunstfiguren, die durch den geschickten Einsatz der Industrie unseren Spieltrieb anpeitschen und uns mit weiteren Belohnungen zum Weiterjagen manipulieren nun zu unserer Ersatzschokolade? Ich kann derzeit nicht behaupten, dass es in unserer Welt harmonisch zugeht. Flüchtlingskrise, spürbare Auswirkungen der Wirtschaftskrise, Terrorismus direkt vor unserer Haustür – und der Mensch sucht Ablenkung…Schokolade ist out, digitale farbenfrohe Monster sind in?

Vielleicht werden Massenphänome wie die gemeinsame, oh sorry, die solistische Jagd nach bunter Beute in Rudeln zukunftsweisend für unser soziales Miteinander und mutieren zu einer neuen Form der Kommunikation. Nach dem Motto „Hey Leute, schaut mal, ich hab ein Pokémon erbeutet und damit einen Bonuspunkt mehr in der Pyramide?“ Den Erfolg dann bitte noch in vorteilhafter Pose auf FB, Instragram & Co. per Selfie verewigen. Wenn das zukunftsweisender Spaß wird und wir uns mehr und mehr über digitale Kunstfiguren, benefits und big points definieren – ist das die nächste Evolution des homo sapiens? Oder bin ich auch einfach zu uncool? Ich bin gespannt, wie lange dieser Hype anhält 🙂

Hilfe – jetzt werden sogar Brücken gesperrt!

Aus aktuellem Anlass noch ein kleiner Zusatz! Die WAZ und weitere Medien berichteten heute über eine gesperrte Brücke in Düsseldorf. Gesperrt, damit eine Vielzahl von Spielern dort ihre Spiele spielen können? Wie bekloppt ist das denn? 27.07.2016

Reinfall, Notfall oder Gunst der Stunde?

Ach ja, hab ich noch total vergessen zu erwähnen: Unsere Bewegungsprofile, die durchschnittliche Verweildauer für das Spiel, unsere Konzentrations-fähigkeit etc., all diese ermittelten Daten, die unser Wetteifern hergeben, treibt uns in die Arme der Werbetreibenden. Aber so sind wir halt. Es kostet ja nix! Die paar Daten, was regen wir uns auf?

Die Werbeindustrie ist schon geil und wittert ihre Chance. Überlegt oder unüberlegt, mit Sinn oder Unsinn. Dazu wird derzeit genug geschrieben. Beste Lektüre hierzu gibt es wie immer auf der Onlineplattform von Werben & Verkaufen!

Aber lasst mich eins erzählen: Ich kann mich noch sehr gut an den Hype um Harry Potter erinnern. Jeder Marketender, jedes Unternehmen, das in irgendeiner Form Produkte für Kinder produzierte und vertrieb, wollte damals die begehrte Lizenz. Auf einer der größten Spielwarenmessen präsentierten sich Lizenznehmer mit umfangreicher Produktpalette. Und ein großer Teil erlitt Riesenverluste. Was war passiert? Harry Potter animierte die Kids zum DIY. Sie wollten keine fertigen Produkte, sondern ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Billiges und minderwertiges Spielzeug, Stifte und was der Markt sonst noch so her gab, wollte keiner kaufen. Ein Verlag ging pleite.

 

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