Must-have – Arbeitnehmer Hard- und Soft-Skills in 10 Jahren!

Was sind die Must-haves unserer Arbeitsweltenzukunft? Das soziale Netzwerk „LinkeDin“, eine weltweit umspannende Business-Online-Plattform, veröffentlichte kürzlich eine Studie „Fit für die Zukunft – Diese Fähigkeiten sollten Arbeitnehmer erwerben“. 

LinkeDin führte für diese Studie in Zusammenarbeit mit *Bitkom unter Geschäftsführern und Personalverantwortlichen eine repräsentative Umfrage durch. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen können Sie bei den gängigsten Opionleadern, wie FAZ oder im Manager Magazin nachlesen! Das Presseportal schreibt, dass *Bitkom Research im September 2015 genau 306 Geschäftsführer, Vorstände und Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen befragt hätte. Dabei wurde betont, dass der inhaltliche Schwerpunkt der Befragung sich an Fertigkeiten orientierte, die LinkeDin und Bitkom im digitalen Zeitalter am ehesten vermuten würden.

Steht diese Studie repräsentativ für alle Unternehmen in Deutschland?

Ich bin überrascht. Die Aussagen bzw. Antworten von 306 Geschäftsführern etc. sollen repräsentativ für das gesamte Unternehmertum in Deutschland sein? Das statistische Bundesamt gibt mir genauer Aufschluss. Demnach gab es im Jahr 2013 ca. 3,7 Mio Unternehmen in Deutschland, davon kamen ca. 130.000 Unternehmen aus dem Bereich der Kommunikation und Information. Die Branche Lager & Logistik verzeichnet immerhin 119.106 Unternehmen. Vielleicht habe ich nicht die richtige Tabelle. Aber diese Angaben sind immerhin eine Größe.

Diese beiden Branchen beziffern sich alleine schon auf knapp 250.000 Unternehmen. Ich richte meinen Fokus auf die Kommunikation und Information. Die Affinität zum digitalen Zeitalter ist für mich naturgemäß in diesem Bereich am höchsten. Damit vergnügt sich der Anteil der befragten Unternehmerschaft im Bereich Kommunikation nur unter 1…genauer gesagt, bewegt sich die repräsentative Umfrage bei 0,24 von 100. Wie würde sich der Anteil von 0,24 erst noch verringern, wenn ich weitere Branchen mit digitalem Anspruch hinzuzählen würde?

Ich hab da Anmerkungen:

  • Es wurden Unternehmen befragt, die über einen Firmenaccount auf LinkeDin verfügen
  • Handelt es sich hauptsächlich um Unternehmen, die nicht länger als 10 Jahre am Markt sind?
  • Durchschnittsalter der Befragten?

 

Anforderungen und Fähigkeiten an die Arbeitnehmer –  Heute vs. Zukunft!

Heute und auch in 10 Jahren bleibt das Wissensmanagement als Hard Skill die gefragteste Qualifikation. Danach folgen Datenanalyse und Interpretationsfähigkeiten sowie das Projektmanagement. Meines Erachtens sind das alles keine neuen Erkenntnisse. Diese Anforderungen wurden schon vor zwanzig, dreißig Jahren als unverzichtbare Qualifikationen für die Entwicklung von wirtschaftsstarken und innovativen Unternehmen gesehen. Ob Digital oder nicht. Dasselbe verhält sich für mich bei den gefragtesten Soft Skills. Cross-funktionale Fähigkeiten, Unternehmergeist, Führungskompetenzen oder auch Verhandlungsführung.

Allerdings lasse ich einen kleinen Einwand gelten. Das Patriarchat, in früheren Zeiten das Herrschafts- und Wissensmacht-Führungsmodell, könnte heute im Kontrast zu diesen Skills stehen. Der ein oder andere kleinere Betrieb mag noch in dieser selbstgefälligen Art arbeiten. Da werden Cross-mediale Fähigkeiten dem Chef überlassen, Unternehmergeist und Führungskompetenz werden bei einfachen Angestellten als Anmaßung betrachtet und eigenständiges Denken und Handeln sind gar nicht gerne gesehen. Aber selbst ein Handwerksbetrieb kann heute am Markt nicht mehr überleben, wenn er nicht wandlungsfähig ist, Innovationen verschläft und gute Mitarbeiter durch einen konservativen und despotischen Führungsstil vergrault.

LinkeDin vermerkt, dass die eigenen Profile der Millionen von DACH-Mitgliedern „Wissensmanagement“, „Kreativität“, „Netzwerkfähigkeit“ und „Entscheidungsfreudigkeit“ nicht aufführen und schreiben, dass 60% der Entscheider diese aber für sehr wichtig halten.

Ich frage mich dann: Kann es nicht auch sein, dass eine große Anzahl von Mitgliedern diese Attribute als selbstverständliche und nicht besonders erwähnenswerte Eigenschaften sehen und dafür lieber andere Merkmale hervorheben? Was ist mit einem Grafik-Designer? Würde er als besonderes Merkmal seine Kreativität herausstellen? Nein, er präsentiert eine Mappe mit seinen Referenzen! Was ist mit dem Sales Manager oder Key-Account-Manager…wenn dieser nicht netzwerkfähig wäre, wäre es um seine Kunden ebenfalls schlecht bestellt. Er hat ein unbezahlbares CRM. Ich weiß nicht, ob tatsächlich Lücken im Angebot und in der Nachfrage bestehen.

Ich würde eher vermuten, dass Bewerber und Rekruiter aneinander vorbei reden. Oder? Mir sind bei Stellenausschreibungen Anforderungen wie „Netzwerkfähigkeit“ oder „Entscheidungsfreudigkeit“ noch nicht im Besonderen aufgefallen. Eher fallen mir Sätze auf

  • „Sie verfügen über Kontakte im…“
  • „Sie sind nachweislich seit…erfolgreich“
  • „Sie wirken…..mit“

Das sind Anforderungsprofile im Managementbereich! Die üblichen Floskeln, die üblichen Textbausteine in Stellenanzeigen. Das wäre mal eine neue Herausforderung für den HR-Manager bzw. den Personaler, dieser Floskelei mutig und kreativ eine neue Richtung zu geben? Was kann eine Fach- oder Führungskraft von einem Unternehmen erwarten, das in seiner Präsentation nicht aus der Masse heraus sticht? Dasselbe gilt natürlich auch für Bewerber!

Fast jede zweite oder dritte Stellenausschreibung für Management-Positionen beinhaltet: Wir bieten Ihnen eine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit mit hohem Gestaltungspotential, flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege und einer angenehmen Unternehmenskultur!  BOAH! 

Mich interessiert das hohe Gestaltungspotential! Wie hoch ist mein Budget? Wie ist meine Handlungsvollmacht gestaltet? Verfüge ich über disziplinarische Möglichkeiten. Wie flach sind die Hierarchien tatsächlich? Was verstehen die unter einer angenehmen Unternehmenskultur? Einmal im Jahr eine Betriebsfeier?

Wie verhält es sich mit den Angeboten aus Arbeitgebersicht?

LinkeDin bewertet das Ergebnis als überraschend. Demnach gibt der Markt lt. der Befragten auf jeden Fall Fachkräfte mit den gesuchten Kenntnissen her. „Zu teuer“ wäre nicht der Hauptgrund. Das Argument findet sich dennoch unter den ersten drei Positionen. Und 30% der Befragten befinden immer noch, dass Fachkräfte schwer zu finden sind.

Das irritiert mich. Mir fehlen die Aussagen zu weiteren Auswahlkriterien der Arbeitgeber. Sie sind meiner Ansicht ebenfalls relevant. Aussagen zu den soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Herkunft und Bildung! Diese könnten das Bild dieser Umfrage entscheidend beeinflussen.

Fragen:

  • Was braucht es tatsächlich, einen Arbeitgeber vom Know How und Können überzeugen? Wenn diese sich unsicher in der Beurteilung sind.
  • Wie definieren die Unternehmen „Fachkräfte“?
  • Wie sieht es derzeit mit der Einstellungs-„Einstellung“ von älteren Fachkräften aus? Meiner Erfahrung – und leider die vieler anderer ü50 auch – scheinen die Unternehmen  immer noch mit dem Jugendwahn verhaftet zu sein. Ein heute 40 Jähriger hat in 10 Jahren die 5 vor der Brust. Verliert er seine Netzwerkfähigkeit? Entscheidungsfreudigkeit?

Was sagt es über die Einstellung von Arbeitgebern aus, wenn diese meinen, dass der Markt durchaus Fachkräfte mit den gesuchten Fertigkeiten zu bieten habe. Davon 49,8 Prozent diese Fachkräfte aber zu teuer finden? Fachkräfte finden wir nicht in den Geiz-ist-Geil-Media-Märkten …Fachkräfte möchten wie Unternehmen, dass sich ihre Investitionen in Bildung und Fortbildung bezahlt machen. Und eine Rendite abwerfen. Denn Bildung ist nicht nur kosten- sondern auch zeitintensiv. Und irgendwann möchte Fachkraft tatsächlich flügge werden und der Hotel-Mami-Beziehung entfliehen. Das wünschen sich Fachkräfte heute – aber mit Sicherheit auch noch in 10 Jahren!

 

 

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