Gründe, die für oder gegen ein Amazon Nasenkino sprechen?

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Falscher Hinweis. Zukünftig könnte es heißen: „Fragen Sie Ihren Augenarzt oder Optiker“.

Amazon forciert Nasenkino?

Gestern berichtete T3N über ein Amazon-Patent für eine Augment-Reality-Brille. Nach dem Flop mit dem Fire Phone wird anscheinend mit Hochdruck an einer intelligenten Brille gearbeitet, die dem User ein Umschalten zwischen Video- und Transparenz-Modus erlaubt.

Ich bin gespannt. Google und Apple erlebten nach meinem Dafürhalten schon eine Bruchlandung mit ihren wearables für Augen. Das Nasenfahrrad konnte sich beim User bisher nicht durchsetzen. Auch nicht in den USA.

Meine persönliche Meinung: Ich möchte nicht mit so einem Teil in meinem Gesicht herumlaufen und meine Umgebung aufzeichnen oder meiner Umwelt diesen „drohenden“ 🙂  Eindruck von big brother zumuten. Ich habe vor Jahren schon erfolgreich den Sprung von einer Kurzsichtbrille in ein weiches Linsenleben gewagt. Dieser Sprung war eine enorme Steigerung von gefühlter Lebensqualität. Nie wieder eine Einschränkung des Sichtfeldes, nie wieder Druckstellen in  meinem hübschen Gesicht, vor allem im Sommer. Und nie wieder blind in die Sauna!

Unbenannt

Kann Nasenkino unsere Arbeitswelt verändern…?

Aber ich bin nicht das Maß aller Dinge. Und auf Unternehmensseite findet die Entwicklung von waerables hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten großes Interesse. DHL berichtete im Januar 2015 über ein Pilotprojekt in einem Distributionszentrum in den Niederlanden. Dort wurde der Einsatz von „smart glasses“ bzw. Augment-Reality-Brillen mit Hilfe weiterer Kooperationspartner erfolgreich getestet. Lt. DHL ließ sich die Effizienz der Mitarbeiter um 25% steigern. Ob sich der Einsatz von smart glasses auch für die Mitarbeiter als effizienter Spaßfaktor entpuppte, wurde nicht beschrieben.

Zurück zu Amazon. Einer der größten börsennotierter Online-Versandhändler weltweit. Oder sogar der Größte? Und Amazon ist ein Wirtschaftsunternehmen, das den Vertrieb der Produkte aus seinen Produktpaletten vorantreiben will. In der Hauptsache handelt es sich bei den Ranges um CDs, Bücher und Filme. Und bei Filmen werde ich hellhörig und kann die Investition in weitere „hauseigene“ Innovationen wie einer Amazon Augment-Reality-Brille nachvollziehen. Bei einer erfolgreichen Produkteinführung bindet das Unternehmen seine Kunden noch fester an seine Produkte. Genial! Der Kindle im Buchbereich hat es vorgemacht, und die Konkurrenz wie Netflix, Maxdome etc. ist auf dem Vormarsch.

Was hat Nasenkino mit Cocooning zu tun…?

Trendforscherin Faith Popcorn und Freizeitforscher Opaschewski prophezeiten der Menschheit schon vor Jahrzehnten einen Trend: Cocooning! Laut Wiki:  Wir ziehen uns in unsere Privatbereiche zurück, wir legen Wert auf persönliche Individualität, Gruppenzugehörigkeiten sind verpönt, wir kapseln uns wie Insekten ein, um uns vor äußeren Stressfaktoren zu schützen. Natürlich unter Einbeziehung von Dienstleistern, die uns das Leben im Heim erleichtern. Und das alle ohne Rezept!

Ob die beiden sich je hätten träumen lassen, wie ihre Prognosen sich heute anfühlen? Faith Popcorn hat sich mit dem Thema sehr viel früher als Opaschewski beschäftigt. So sind die Beschreibungen vielleicht unterschiedlich. Dennoch kann ich Verhaltensänderungen erkennen, die ich vor 20 Jahren noch als undenkbar aufgefasst hätte.

Das „Einigeln“, das „Abkapseln“ passiert nicht nur in den eigenen vier Wänden, dieses Phänomen kann an jeder Straßenbahnhaltestelle beobachtet werden. Rührende Finger und hängende Köpfe mit Knöpfen im Ohr. Nicht zu verwechseln mit Steiff Knopf im Ohr 🙂 und ich frage mich, ob immer wieder kehrende und einseitige Bewegungsabläufe des körpereigenen Fortbewegungsmittels Muskelverhärtungen, Nackensteife und andere Krankheiten hervorrufen? Könnten sie sogar eine Neuauflage von Robert Lemkes heiterem Berufe-Ratespiel verursachen? Die angesprochenen verpönten Gruppenzugehörigkeiten kann ich in meinem Umfeld und anderen Feldern nicht ganz nachvollziehen…und die äußeren Stressfaktoren „apps“ oder „gadgets“ nehmen wir doch sogar mit ins oder ans Bett? Und dass es mit der „Individualität in den eigenen vier Wänden“ nicht so weit her ist, bezeugen uns die sozialen Plattformen, die unseren Alltag und unser Handeln bestimmen. Nach dem Terroranschlag am 9. September 2001 erhielt Cocooning allerdings weitere Bedeutung. Aber das ist ein anderes abendfüllendes Thema.

Wird das Nasenkino verschreibungspflichtig werden…?

Ich schweife mal wieder ab 🙂 Zurück zum aktuell besprochenen wearable. Welche Auswirkungen würden bei einer regelmäßigen Nutzung zu Tage treten? Abgesehen davon, dass das Filmvergnügen mit einem Nasenrad noch mehr Abschottung in den sozialen Umfeldern bedeuten kann. Wieso denn noch ins Kino latschen? Bequemer und preiswerter habe ich es daheim, mit Popcorn und Freundin im Arm. Autsch! Freundin im Arm geht nicht, die Brille würde verrutschen…!

Ich stelle mir gerade bildhaft vor, wie die Augmented-Reality-Brille mein Sehvergnügen tatsächlich bestimmt. Egal, ob ich ob Blockbuster oder Soaps auf Minizentimeter direkt vor meinen Augen abspielen lasse. Was hat das für gesundheitliche Auswirkungen?

Folgendes Horrorszenario befüllt mein Denken, denn schon zwei Stunden Filmbetrachtung mit einer 3-D-Brille strengen meine Augen an. Aber wir sehr strengt mich ein Film an, der sich direkt vor meinen Pupillen abspielt?

  1. Krämpfe? Kopfschmerzen?
  2. Schielen? Sexy Silberblick?
  3. Tränende Augen, dann Austrocknung und Reizung der selbigen?
  4. Verschlechterung meiner Sehkraft? Schleichend oder blitzschnell?

Wenn Euch noch weitere Szenarien ins „Auge“ fallen, meldet Euch! Ich nehme gerne weitere Ideen  auf!

Mir fällt eben ein: Ich bin stolze Besitzerin des damaligen Reports von Faith Popcorn. Es verstaubt in irgendeiner Regalecke…aber jetzt packt mich die Neugier. Am Wochenende ist Entstauben und Lesen angesagt. Ich bin neugierig, wie sich der von ihr in den achtziger Jahren beschriebene Trend heute anfühlt!

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