Der Arbeitsmarkt und 50plus – die FAZ schreibt!

Erwerbstätigenquote 50plus gestiegen?

Die FAZ titelte gestern „Ältere wollen länger arbeiten“ und verwies auf eine neue Umfrage, die der Versicherungskonzerns Aegon beauftragte. In dieser Umfrage wurden lt. Bericht rund 1000 Personen befragt. Demnach wünschen sich ältere Berufstätige mehr Flexibilität im Übergang in den Ruhestand und zwei von drei Befragten äußerten den Willen für eine längere Arbeitszeit. Leider würde nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland überhaupt eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit anbieten bzw. ermöglicht es Älteren auch über das Rentenalter hinaus tätig zu sein.

Spannend finde ich das Ergebnis der Statistiken von Eurostat, die aussagen, dass sich die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64Jährigen zwischen 2000 und 2014 von 37 Prozent auf 66 Prozent fast verdoppelt hat. Auf diese Statistik berief sich lt. FAZ die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Und bei den 60- bis 64Jährigen wäre der Anteil sogar auf 53 Prozent gestiegen.

Leider geht die Statistik nicht in die Tiefe. So sagt sie nicht aus, ob sich der Anteil der Beschäftigten über 50 auch quer durch alle Berufsgruppen bzw. in den unterschiedlichsten Qualifikationen (Mittlere Reife, Abitur, Studium) gleichermaßen erhöht hat.

Statistiken interpretiert jeder für sich anders. So auch ich. Meiner Meinung nach stieg der Anteil der Beschäftigten über 50 so exorbitant, weil es sich meines Erachtens um Mitarbeiter handelt, die mit dem Unternehmen älter geworden sind und vor 10 Jahren noch zu den 40ern zählten. Möglicherweise sind sie auch noch in den Unternehmen beschäftigt, da sie einen besonderen Kündigungsschutz aufgrund alter Verträge genießen, bei Abbau von Personal bzw. Schließung von Betriebseinheiten in der Sozialauswahl Vorteile haben, oder sich vom Arbeitgeber nicht in den Vorruhestand drängen lassen. Nachfolgend beschriebene Aussage des IAB bestätigt auch meine These, dass der „normale“ Arbeitnehmer bei Arbeitslosigkeit eher von Perspektivlosigkeit betroffen ist als der Experte bzw. die Führungskraft.

Und was sagt das „IAB“?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beschrieb in seinem Kurzbericht 11/2015 „Bessere Chancen mit mehr Bildung“ http://doku.iab.de/kurzber/2015/kb1115.pdf unter anderem, dass das Risiko, arbeitslos zu sein, die nicht formal Qualifizierten tragen. Da sei die Arbeitslosenquote in den letzten zwei Jahrzehnten auf ein sehr hohes Maß gestiegen. Ein Rückblick über fast vier Jahrzehnte dagegen hätte gezeigt, dass Arbeitskräfte mit einem Hochschulabschluss sehr viel seltener von Arbeitslosigkeit betroffen sei als alle anderen Qualifikationsgruppen. Und die Akademiker-Arbeitslosenquote wäre immer schon die niedrigste aller Qualifikationsniveaus gewesen.

Sollten Unternehmen umdenken…?

Die Umfrage in dem Artikel der FAZ, meine Annahmen und der Kurzbericht des IAB zeigen mir, dass sich die Unternehmerschaft noch nicht dem demografischen Wandel gestellt hat. Wie könnte ich mir erklären, dass sich die Schere bei den Wünschen von Arbeitnehmern nach flexibleren Arbeitszeitmodellen einerseits mit den angebotenen Möglichkeiten der Unternehmen andererseits so weit auseinander spreizt? Auch wenn wir mittlerweile von dem Internet der Dinge reden und sich das Tätigkeitsbild aufgrund der Digitalisierung der Arbeitswelten stark verändert und verdichtet, laufen die Unternehmen meines Erachtens Gefahr, das hohe Wissenspotential und Know-How seiner Mitarbeiter verlustig zu werden, wenn sie nicht neue alternative Wege der Personalpolitik ins Auge fassen.

Die Bereitschaft und das hohe Engagement der Arbeitnehmer 50plus ist erwiesenermaßen da. Das beweist auch die in der FAZ beschriebene Studie des Beratungsunternehmens EY: 40 Prozent der Beschäftigten, die sogar älter als 61 Jahre sind, bezeichnen sich selbst als „hoch motiviert“, während dagegen das in der Generation der unter 20-Jährigen nur jeder Vierte von sich behauptet!

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